olga-str_bild_2008

„Königin-Olga-Tag“ in Stuttgart

Zum ersten Mal wurden am 24. Juli 2008 in Stuttgart der Verein „Unsere neue Zeiten e.V.“ die „Königin-Olga-Tage“ präsentiert. Wir stellen hier die Geschichte über die Königin-OLGA-Tage 24. Juli in Baden-Württemberg – Stuttgart vor.

Neben Geburtstag feiern orthodoxe Christen auch den Namenstag, der am Tag des Festes des heiligen Namenspatrons einer Person begangen wird. So feiert die Russische orthodoxe Kirche das Fest der heiligen und apostelgleichen Großfürstin Olga von Russland (X. Jahrhundert) am 24. (11.) Juli…

Gesamte „Königin-Olga-Tage“ in 2008 wurden in Langenargen am Bodensee am 23. Juli angefangen. Danach wurden wir als Teilnehmer des Programms der „Königin-Olga-Tage“ in Stuttgart mit unseren Gäste getroffen. Unseren Gastgeber war den Alten Schloss Stuttgart.

24jul_str_olgasaalFührung im Olga-Saal des Alten Schlosses Württemberg

 

 

 

 

 

 

 

olga_str08_gang_bwru

olga_str2008gruftmTotenandacht für Königin Olga in der Gruft in Anwesenheit von S.K.H. Herzog Friedrich von Württemberg

Königin-Olga-Tage Stuttgart

Sehr geehrter Herr Generalkonsul!

Ihre Eminenz!

Im Namen unserer Kirchengemeinde des hl. Nikolaus, die ihre Existenz Gott dem Herrn sowie einigen hervorragenden Württembergerinnen aus dem russischen Zarenhause verdankt, möchte ich Sie herzlich zu den ersten, hoffentlich aber nicht letzten, „Königin-Olga-Tage“ begrüßen!

Wir haben den heutigen Tag für dieses Fest gewählt, weil am 24. Juli die Russische Orthodoxe Kirche das Fest der hl. und apostelgleichen Großfürstin Olga von Russland feiert, die die Namenspatronin der Königin Olga ist. In die Zeit der Großfürstin Olga, die im 10. Jahrhundert lebte und einen entscheidenden Beitrag zur Christianisierung Russlands leistete, gehören die ersten nachweisbaren deutsch-russischen Kontakte. Eine Gesandtschaft aus Kiew reiste im Auftrag der Fürstin Olga an den Hof König Ottos I und bat um Entsendung christlicher Missionare.

2008_str_fruchtkastemmuseumDie Geschichte der Beziehungen zwischen Russland und Württemberg sind vor allem im XVII., XVIII. und XIX. Jahrhundert von Vielschichtigkeit, Solidarität und gegenseitiger Hilfe gekennzeichnet. Personen, wie die württembergische Prinzessin Sofie Dorothee, später Zarin Maria Fjodorowna von Russland, russische Großfürstinnen Catharina Pawlowna und Olga Nikolaewna, Königinnen von Württemberg, russische Großherzogin Wera und viele andere mehr, haben einen Beitrag zu diesen Beziehungen geleistet, der heute eine historische und kulturelle Grundlage für die jüngste von der neuen Solidarität geprägte Dynamik zwischen Württemberg und Russland darstellt.

In diesem Geiste möchten wir als russische Kirchengemeinde mit dieser und weiteren Veranstaltungen einen Beitrag zu einer Entwicklung leisten, die wir als für unsere beiden Länder potentiell sehr fruchtbar und menschlich anregend beurteilen. Mit diesem Engagement stehen wir durchaus in der Tradition unserer Gemeinde. So schreibt der Beichtvater der Königin Olga, Erzpriester Ioann Basarow, der 42 Jahre in Württemberg als Probst in der Grabkirche von Katharina Pawlowna gedient hat, in seinen Aufzeichnungen über ein Pfingstfest: „Die Großfürstin mit dem Kronprinzen, auch die ganze Kaiserlich Russische Gesandtschaft und alle Russen aus der Nähe und Ferne kamen zu diesem Feste und zur Kirche herbei. Nach dem Gottesdienst kamen alle zu mir zum Tee, manche blieben zum Mittagessen.“ Man sieht, auch der Probst nahm teil am geselligen Leben in dieser russischen Kolonie.

In unserem Gemeindeleben mache ich Jahr für Jahr die Erfahrung, dass die Integration der Neuankommlinge dann gelingt, wenn sie sich nicht ganz so fremd im neuen Land vorkommen, sondern merken, dass Russland in Württemberg seit Jahrhunderten tiefe Wurzeln geschlagen hat. Es sind die Elemente des Vertrauten die es einem erleichtern, in der Fremde Fuß zu fassen. Viele Menschen, die aus Russland kommen – und das sind in den letzten anderthalb Jahrzehnten immerhin etwa dreieinhalb Millionen – wahnen nicht, dass sie nicht die ersten sind, die nach Württemberg kommen, dass russische Prasenz hier eine historische Tiefe und kulturelle Breite besitzt, die ihresgleichen in Deutschland sucht. Dieses Bewusstsein gilt es aus meiner Sicht weiter auszubauen.

Jetzt möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Eigenschaften unserer beiden Völker lenken, die für die gegenseitige Verbindung und Befruchtung verantwortlich sind. Schon im 16. Jahrhundert waren die deutschen Siedler, die nach Moskau kamen, für ihre Pünktlichkeit und Fähigkeit geschätzt. Das sind noch heute die meistgenannten Begriffe, wenn Russen nach typischen Eigenschaften der Deutschen gefragt werden. So äußerte sich auch Zar Nikolaus I. über den Kronprinzen Karl, den späteren Gemahl von Olga Nikolaewna: „Das ist ein durch und durch anständiger Charakter“. Russen flößt Deutschland also vor allem Respekt ein.

Anders sind die Gefühle bei den Deutschen. Ein ehemaliger Arbeitskollege von mir, ein damals 55 jähriger deutscher Bankdirektor und durchaus ein nüchterner Mann berichtete mir nach seiner Reise nach Kiew, er könne jene Schönheit und die Wärme, die er dort gesehen und empfunden hat, die Kirchen, die Menschen denen er begegnet ist, nicht aus seinem Herzen bannen. So wirkte er auf mich wie ein junger Verliebter. Dieser Eindruck entspricht interessanterweise dem eines Deutschen, der um 1600 über die deutschen Übersiedler in Moskau fast überschwänglich schrieb: „sie haben oftmals darüber mit Freuden geweint, dass der liebe Gott sie eine solch herrliche Zeit all da in Moskau hat erleben lassen“. So steht in diesen Berichten die Liebe an der vordersten Stelle.

Olga Nikolaewna, russische Prinzessin, deutsche Königin, scheint diese beiden Gefühle – Respekt und Liebe auf sich vereint zu haben. „Das schönste Weib der Erde“ sagte über die junge Großfürstin Prinz Wilhelm von Preußen und meinte damit nicht nur die äußere Erscheinung derselben, sondern die gesamte Ausstrahlung ihres Wesens. Von dieser Ausstrahlung zeugt auf erstaunliche Weise das Portrait Olgas von Claus Winterhalter.

„Der einzige Mann am Stuttgarter Hof“ – mit diesen Worten erwies der Königin der russische Gesandte am Württembergischen Hof Fürst Alexander Gortschakow seinen tiefen Respekt.

Auch die Kehrseite der gefühlsmäßigen Begegnung zwischen Russland und Deutschland sollte nicht unerwähnt bleiben. So schreibt der preußische Gesandte Philipp von Eulenburg über Königin Olga: „Sie steht da wie eine Sonnenblume auf einem freien Feld, groß, angestaunt und fremdartig“. Dieses „Fremdartige“ wurde ihr auch als „Unnahbarkeit“ ausgelegt, obwohl sie sehr bemüht war, ihrer Aufgabe als Königin gerecht zu werden. Den genau spiegelbildlichen Eindruck bekamen die Russen von der Darmstädter Prinzessin Alice, die die letzte russische Zarin Alexandra Fjodorowna geworden ist. Allerdings wurde ihr die „Fremdartigkeit“ und „Unnahbarkeit“ in den Augen der Russen zu einem viel größeren Verhängnis.

Die Zeichen der Zeit stehen auf Versöhnung und schöpferische Rückkehr zu den Verhältnissen zwischen Russland und Deutschland, die im Laufe des XVIII. und XIX. Jahrhunderts herrschten.

Mit den Königin-Olga-Tage möchten wir einen bescheidenen Beitrag zu dieser Entwicklung leisten. Ilya Limberger, Erstpriester der Ausländischer orthodoxen Kirche hl. Nikolaus in Stuttgart

 

reichrudelalexander-grusswortSehr geehrter Herr Generalkonsul!

Ihre Eminenz!

Im Namen den Verein „Unsere neue Zeiten e.V.“ und des Organisationskomitees der Königin-Olga-Tage möchte ich Sie herzlich zu den „Königin-Olga-Tage“ begrüßen!

Erstaunlicherweise gab es in Württemberg bisher kein regelmäßiges Fest zu Ehren der Königin Olga und auch keins zu Ehren der Königin Katharina Pawlowna, ganz zu schweigen von ihrer Mutter, der württembergischen Prinzessin Sofie-Dorothee, die in Russland nach ihrer Heirat mit Zar Pavel I. als Zarin Maria Fjodorowna bekannt ist.

Als wir uns überlegt haben, in welcher Weise wir, d. h. hier in Stuttgart lebenden Russland-stämmigen Mitbürger unserer Verantwortung gerecht werden können, eine Brücke zwischen Russland und Württemberg zu sein, war die Idee, jährliche Feste zu Ehren dieser großen Persönlichkeiten unserer gemeinsamen Geschichte zu veranstalten, allzu natürlich. Wir wollen darauf vertrauen, dass diese Idee auf ein vielseitiges Interesse sowohl bei den deutschen und den Russland-stämmigen Mitbürgern und Mitbürgerinnen Baden-Württembergs als auch in Russland selbst stößt.

Mein Vorredner, Erzpriester Limberger hat am Schluss seiner Rede die Fremd- und Andersartigkeit angesprochen, mit der nicht nur deutschen Prinzessinnen in Russland und russischen Prinzessinnen in Deutschland begegnet wurde. Auch wir erleben manchmal, dass wir für unsere deutsche Mitbürger etwas Fremdartiges darstellen. So fühlten sich vermutlich auch die zahlreichen deutschen Übersiedler, die im XVII., XVIII. und XIX. Jahrhundert nach Russland gingen. Wahrscheinlich ist es nur allzu natürlich, sich in der Fremde fremd zu fühlen und der dortigen Bevölkerung als fremdartig vorzukommen. Doch finden wir es richtig und wichtig, die Mauern abzubauen und eine aufrichtige Begegnung in Freundschaft, Liebe und Respekt für einander zu schaffen. Unserer Meinung nach geht dies am Besten auf der geistigen, historischen und kulturellen Grundlage, die die genannten historischen Personen uns hinterlassen haben.

Am Schluss eine interessante Statistik. Die deutsche autonome Republik an der Wolga beherbergte im XIX. Jahrhundert etwa 350 Tausend deutsche Übersiedler. Es gab dort 400 deutsche Schulen und 5 Universitäten, das alles mit der Unterstützung des russischen Staates. Es wäre abwegig, eine autonome Republik für die dreieinhalb Millionen Russland-stämmigen Bürgerinnen und Bürger anzustreben, die in den letzten 15 Jahren nach Deutschland kamen. Die Entwicklung von bilingualen Schulen, Kindergärten, Verstärkung des universitären und kulturellen Austausches stünde aber keinesfalls dem Integrationsbestreben entgegen. Deutschland und Russland brauchen Menschen, die sich selbstverständlich in beiden sprachlichen und kulturellen Räumen bewegen. Eine solche Generation wächst vor unseren Augen heran. Diese Chance für unsere beiden Länder sollten wir nicht vertun.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Konzert sowie reichhaltige Begegnungsmöglichkeiten in der Pause und am Schluss.

Vielen Dank für Ihr Kommen!
Alexander Reichrudel, Projektleiter

olga_str_2008chormKonzert mit russischer geistlicher und weltlicher Musik im Musikinstrumentenmuseum des Alten Schlosses (Stiftsfruchtkasten).
Abendkonzert im Musikinstrumentenmuseum des Alten Schlosses – Chor der hl. Nikolaus-Kirche mit geistlichen und Volksgesängen;

konzert_24juli2008Instrumentalmusik mit dem Duo Paula (Cello) und Anastasia Penner (Klavier);

 

 

 

 

 

 

 

Evgenij (Geige) und Ilonka Schuk (Klavier).

olga_str_duodjuckm

Wir freuen uns uber jede
Unterstützung! Vielen Dank 🙂

Bankverbindung:
Konto: 128 585 005, BLZ 600 902 00
Bei Stuttgarter Volksbank AG

Der Verein zur Unterstütung russisch sprechender Mitbürger in Deutschland „Unsere neue Zeiten e.V.“

PF 70 02 05, 70572 Stuttgart

Tel.: +49 (0) 170 55 989 35, Fax: 0711/ 220 89 33
E-Mail: info@villa-berg.info

Projektmanager – Hr. Alexander Reichrudel, Dipl.- Ing.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.